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Fegefeuermuseum Rom: das kuriose kleinste Museum von Rom

Fegefeuermuseum Rom

Wusstet ihr, dass es in Rom eine Fegefeuermuseum gibt? Gerade einmal 10 Minuten vom Vatikan entfernt, würde die Chiesa del Sacro Cuore del Suffragio, die Herz-Jesu-Kirche der Fürbitten, nicht unbedingt das erste Ziel der Besucher sein. Dabei ist die Kirche mit ihrer besonderen Bauart eine der Jüngsten der Stadt und erinnert entfernt an die große Kathedrale von Mailand, die überall auf der Welt Ansehen genießt. Allerdings kann sich ein Besuch besonders für jene lohnen, die ab von den typischen Touristenzielen der Stadt die kleinen Kuriositäten Roms entdecken möchten. In dem neugotischen Bauwerk befindet sich nämlich das einzige Museum der Welt, das sich mit dem Fegefeuer beschäftigt. Ob sich der Besuch des kleinsten Museums von Rom lohnt und was euch dort erwartet, erfahrt ihr in diesem Beitrag zum Fegefeuermuseum in Rom!

Das Fegefeuer: Was ist das eigentlich?

Glaubt man der kanonischen Lehre des katholischen Glaubens, so ist das Fegefeuer so etwas wie die Reinigung der Sünden. In den alten Schriften der katholischen Kirche wird erklärt, dass das Fegefeuer für jene da ist, die zwar in den Himmel kommen, sich in ihrer Zeit auf der Erde aber trotzdem kleinerer Sünden schuldig gemacht haben. In einer undefinierten Zeit schmoren sie im Fegefeuer, um sich von ihrer Schuld zu befreien um im Anschluss in das Paradies aufzufahren und den Garten Eden betreten zu dürfen.

Ein Museum über die Abdrücke der Seelen aus dem Fegefeuer

Fegefeuermuseum Rom

So weit so mystisch – natürlich ist es nicht unbedingt nötig an das Fegefeuer oder den Katholizismus als Ganzes zu glauben, um einen Besuch in der Kirche Sacro Cuore del Suffraggio zu erledigen. Die ursprüngliche Kapelle, die einst an diesem Ort stand, ist abgebrannt und wurde im späten 19. Jahrhundert durch diesen neuen und deutlich schickeren Prachtbau ersetzt. Während die Kirche selbst mit seinem neugotischen Stil bereits eine Augenweide von außen ist – und direkt am Tiber gelegen auch recht einfach zu erreichen ist – ist das eigentliche Herzstück der Kirche mit dem Brand verbunden, der die einstige Kapelle zerstört hat. Die Seelen aus dem Fegefeuer selbst, sollten hier ihre Spuren hinterlassen haben.

Besichtigung der Kirche und des Fegefeuermuseums von Rom

Fegefeuermuseum Rom

Fegefeuermuseum Rom

Wer die Kirche betritt, wird erst einmal eine Mischung aus dem neuen Bauwerk und den Überresten der einstigen Kapelle sehen, die hier einmal gestanden hat. Das Bauwerk wurde direkt darüber gebaut und hat daher auch mit dem mysteriösen Feuer zu tun, das einen Großteil der alten Kapelle niedergebrannt hat. Dort, wo heute in der Sakristei, die direkt durch den Eingang betreten wird, der Altar steht, ist im späten 19. Jahrhundert während einer Messe ein Feuer ausgebrochen. In diesem Feuer meinten die Anwesenden eine Gestalt zu sehen, die sich mit einem Abdruck auf den Mauern der Kirche niederbrannte. Mit ein wenig Fantasie lässt sich tatsächlich ein menschlicher Umriss erkennen. Geht es nach den Wächtern des Museums und der Geschichte, war es eine Seele aus dem Fegefeuer, die den Weg nach draußen gesucht hat.

Museo delle Purgatorio: „Das kleinste Museum von Rom“

In einem Nebenraum der Kirche findet sich dann das eigentliche Museum. Etwa 15 Ausstellungsstücke mit verschiedenen Brandzeichen sind die Zeugen der Seelen aus dem Fegefeuer. Ein Buch, auf dem die Brandzeichen von Fingern zu sehen sind, eine Haube mit dem Handabdruck der verstorbenen Frau des früheren Besitzers und natürlich der Brandfleck der Kirche selbst sind die „Highlights“.

Fegefeuermuseum Rom

Fegefeuermuseum Rom

Das Wort „Highlight“ ist hier aber ein wenig übertrieben – denn das Museum ist winzig klein! Der Raum ist gerade mal 2 x 4 Meter groß und das Dutzend Ausstellungsstücke hängt an einer mit Glas geschützten Pinnwand aus Korken.

Dreist: die erpresste „Spende“ & weitere kuriose Sachen

Fegefeuermuseum Rom Purgatorio

Um das Museum zu besichtigen, muss man durch den Gang rechts vom Altar gehen, da wo das finstere Bild des Victori Jouer hängt. Dort saß bei meinem Besuch ein Angestellter, der YouTube-Videos auf seinem Handy schaute. Ich habe ihn gefragt, ob hier der Eingang zum „Museo delle Purgatorio“ ist. Er meinte „Si!“ und hat dann einen Spendenkorb vom Regal geholt und ihn vor mir auf den Tisch gestellt: „Para la offerta!“ – für die Spende also.

Nun wusste ich überhaupt nicht, was mich im Museum erwartet und dementsprechend war es schwer, die Höhe der Spende festzulegen. Ich wollte erst 5 € geben, dann ist mir aber eingefallen, dass ich noch ein 2 € Stück in der Tasche hatte und habe dieses dann in den Korb gelegt. Erst dann hat mich der Mitarbeiter in das Museum bzw. in den kleinen 8 m² Raum geführt („Zis is ze Musseum!“), wo ich ein A4-Blatt mit den Beschreibungen der Ausstellungsstücke in die Hand gedrückt bekommen habe.

Ich fand es doch ein wenig dreist, dass schon vor der Besichtigung um eine Spende gebeten wird, um den Leuten etwas mehr Geld aus der Tasche zu locken. Denn sicherlich würde hier niemand mehr als 50 Cent oder 1 Euro nach der Besichtigung geben – dann weiß man nämlich, wie klein das Museum ist. Gott sei Dank habe ich nur 2 € gespendet – auch wenn ich dafür für alle Ewigkeit im Fegefeuer schmoren muss.

Fegefeuermuseum Rom

Auch sehr kurios: Die etwas langweiligen Beschreibungen auf dem Blatt, welches man ausgehändigt bekommt. Nur die wenigsten werden damit wohl etwas anfangen können. Hier ein kurzer Auszug: „Fotokopie (das Original wird in Winnenberg aufbewahrt) eines Brandabdruckes, den die verstorbene Schwester Klara Scholers, Chorschwester in dem Kloster der Benediktinerinnen in Winnenberg bei Warndorf (Westfalen) am Sa, den 13. Oktober 1696 hinterlassen hat.“ Spannend klingt anders, oder?

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Das Kurioseste und Unheimlichste an der ganzen Sache ist aber ca. 2 Wochen nach der Besichtigung passiert, als ich wieder zurück zu Hause war. Ich habe das Blatt mit den Beschreibungen noch einmal herausgekramt, um den obigen Auszug abzuschreiben. Und siehe da, es ist nun auch ein Brandabdruck auf dem Blatt zu sehen… Echt gruselig.

Fazit

Na ja, wie ihr seht: Das Museum ist nichts Besonderes, außer dass das „Thema“ ein wenig unheimlich und etwas übernatürlich klingt! Wie ein englischsprachiger Besucher es sehr schön auf TripAdvisor formuliert hat: „It isn’t the X-Files.” Schön ist allerdings die Kirche, in der sich erstaunlich viele Beichtstühle befinden. Haben die Römer denn so viel gesündigt? Sicherlich gehen hier viele vor dem Ableben noch einmal hin, um so wenig Zeit wie möglich im Fegefeuer zu verbringen. Also: Kuriose Geschichten sind vor allem der Grund, warum sich ein Besuch in dem Museum lohnen kann. Und eines ist wohl sicher: ein solches bizarres Museum, wird man in keinem anderen Teil der sonst so vielfältigen Stadt Rom finden!

Eintrittspreis für das Fegefeuermuseum in Rom

Die Besichtigung ist kostenlos, eine Spende wird aber gewissermaßen erpresst. Die Höhe dieser Spende könnt ihr selbst festlegen. Ihr seid jedoch vorgewarnt: das Museum ist nur ca. 8 m² groß.

Öffnungszeiten

Fegefeuermuseum Rom Öffnungszeiten

Das Museum ist jeden Tag von 7:30 Uhr bis 11 Uhr geöffnet sowie von 15:30 Uhr bis 19:30 Uhr. Während der Schulferien sind die Besichtigungszeiten begrenzt.

Lage / Anfahrt

Fegefeuermuseum Rom

Das Museum befindet sich nicht weit entfernt der Engelsburg, an folgender Adresse: Lungotevere Prati 12, 00193 Roma. Mit der U-Bahn ist es recht schwer zu erreichen. Die nächste Station ist „Lepanto“, auf der Metrolinie A, die allerdings schon ca. 800-1000 Meter weit weg liegt.

Vom Stadtzentrum oder der Engelsburg ist das Museum allerdings sehr gut zu Fuß zu erreichen, da es an Grenze zur Innenstadt liegt. Es halten ebenfalls einige Buslinien um die Ecke. Station „Vittoria Colonna“, Linien 70, 81, 87, 301, 492, 913, N6, N7.

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